Joy

Geschrieben in: - November 08, 2010 Keine Kommentare

Hin und her gerissen, ob ich nach dem Tod meiner italienischen Windspielhündin „EIKE“ (Mix) wieder eine „neue“ treue Begleiterin zu mir nehmen soll, nahmst du mir nach einer schlaflosen Nacht, aber auch nach dem fast täglichen, dreimonatigen Betteln meines Patenkindes André(11 Jahre) die Entscheidung ab.

So wurdest du uns vorgestellt:

Die kleine Windspiel-Mix-Hündin Joy kam ursprünglich aus Spanien. Jetzt sucht sie ein neues Zuhause, weil sich ihre Familienverhältnisse so verändert haben, dass sie täglich viele Stunden alleine sein müsste. Joy ist 3 ½ Jahre alt und eine Diva. Sie weiß sehr genau, was sie will: liebevolle Menschen, die ihr ausreichend Schmuseeinheiten und viele kuschelige Plätze bieten, aber auch mit ihr Ball spielen und sie ausreichend rennen lassen! Sie braucht sehr viel Bewegung, läuft ungern an der Leine und es ist im Freien kein Problem, sie abzuleinen. Sie ist ein idealer Begleithund für sportlich aktive Menschen, z.B. auch für Jogger. Verträglich ist sie auch mit Kindern, mit Hunden (aber bitte keine Hündinnen in ihrer Familie), mit Kleintieren aller Art.
Die Kleine braucht aber auch eine konsequente Führung und klare Kommando-Ansagen. Joy war sogar in der Hundeschule! Windspieltypisch ist Joy 38 cm groß und wiegt 6 kg. Windspiel-untypisch: sie ist absolut stubenrein, kann auch ein paar Stunden alleine bleiben, ohne dass die Wohnungseinrichtung leidet, und schläft nur ganz selten im Bett. Sehr gerne hätte sie wieder einen Garten zum Toben.

Könnten Sie diesen Ansprüchen gerecht werden? Dann melden Sie sich bei uns!

Joy: der Name verspricht, was er bedeutet: „Viel Freude kommt in unser Leben“

Nachdem ich fast vier Wochen bei meinem Pflegefrauchen „Heike“ in Pension war (Hierfür sei ihr auf diesem Wege noch ein „Herzliches Dankeschön!“ übermittelt.), sollte Freitag, der 25. Januar 2008, ca. 16.15 Uhr ein weiterer bedeutender, neuer Lebensabschnitt in meinen bisherigen 3 1/2jährigen weiblichen Hundedasein beginnen.

Mit lautem, energischem und nicht gerade freundlichem Gebell fand die erste Begegnung mit einem (neuem?) Frauchen und Herrchen statt. Aber irgendwie ließen sich diese beiden Zweibeiner gar nicht von meinem Gebell einschüchtern, sondern nahmen zuerst einmal auf „meinem“ Sofa Platz. Letztendlich war meine Neugierde größer als meine bellende Klappe und mit einem kurzem Hüpfer saß ich zwischen André, einem 11jährigem Jungen und seiner Patentante, Bine. Allerdings, die so genannte gegenseitige „Liebe auf dem ersten Blick“ fand zuerst einmal zwischen André und mir statt. Denn schließlich machte ich in meinem vorherigen Zuhause bereits positive Erfahrungen mit Kindern, u. a. einer der Erfahrungen war/ist, dass Kinder sich selten waschen. So auch dieser Junge, dem ich mit treuem Blick und mit meinem langem, feuchten „Waschlappen“ den Dreck aus/um das Ohr ableckte. Außerdem bringe ich mit Kindern „Spielen“, neben dem Fressen einer meiner Lieblingsbeschäftigungen immer in Verbindung. Dieses wurde auch gleich zwischen uns mit einer von mir zerfetzten Toilettenpapierrolle in die Tat umgesetzt.

Aller Abschied ist schwer! Allerdings zeigte sich dieser nur auf der menschlichen Seite. Mit Sack und Pack trug mein trauriges Pflegefrauchen mich in ein Auto. Zu meinem Erstaunen lag auf der hinteren PKW-Ablage eine bequeme, große Matratze mit einer großen Wolldecke für mich parat. Allerdings musste ich erst einmal mit einer großen Wühlaktion alles in (Un-)Ordnung bringen. Je länger die Autofahrt dauerte, desto näher pirschte ich mich nach vorne. Von der Ablage auf die Rücksitzbank und von dort dann zum Schluss auf den beheizten Beifahrersitz neben André. Endlich angekommen in meinem neuen Zuhause (= Hauptwohnsitz), wurden zuerst einmal alle Räume der großen Wohnung beschnüffelt. Und stellt euch mal vor, liebe/r Leser/in in jedem Raum (einschließlich der Badgarnitur!) gibt es einen schönen, ausgewiesenen Platz für mich. Das Beste allerdings ist natürlich der Platz in der Küche auf einem Sofa. Wer hat schon ein Sofa in der Küche? Bei den Mahlzeiten habe ich somit den vollen Überblick was der Speiseplan hergibt. Übrigens, in einem unbeobachteten Augenblick bin ich in der Lage blitzschnell mir etwas vom Tisch zu stibitzen. Aber inzwischen werden von den menschlichen Zweibeiner bezüglich der Speisen auf dem Tisch immer gewisse Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Was gibt es denn noch so weiteres von meinem neuem Hauptwohnsitz zu berichten? Für mich gibt es eine auf meiner Höhe große, extra eingerichtete Hundeschublade im Flur der Wohnung. Und stellt euch vor, mit meiner kleinen Hundeschnauze schaffe ich es, diese mit wenig Anstrengung zu öffnen. Inhaltlich ist dieses neben dem Kühlschrank die zweitgrößte Schatzkiste mit vielen Leckereien für mich. Zu meinem Leidwesen ist auch in diesem Fall keine Selbstbedienung zu jeder Tag und Nachtzeit vorgesehen!  Gewisse Regelmäßigkeiten in meinem neuen Tagesablauf gibt es selbstverständlich auch für mich: Neben dem täglichen guten Morgen-/Nacht – Kuscheln, einem großem tempohaltigem Spaziergang mit meinem neuem Frauchen, dass ich inzwischen auch in meinem Herzen mit Liebe aufgenommen habe, warte ich jeden Mittag auf der Fensterbank, dass mein neues Herrchen, André aus der Schule kommt. Sobald meine zwei Augen ihn erblicken, veranstaltet mein Hinterteil nebst Schwanz einen wahren Freudentanz. Bereits ausgerüstet mit Halsband und Leine werde ich dann gegen den Schulranzen zum Gassigehen durch das Fenster (natürlich aus dem Erdgeschoss) ausgetauscht. Allerdings die Entleerung meiner Blase erfolgt dann im Schnelldurchgang, denn schließlich wartet im Kinderzimmer ein Schulranzen auf mich. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: „Was ist so Interessantes an diesem Schulranzen?“ Nicht die zu machenden Hausaufgaben, sondern eine große bunte Dose erregt meine intensive, schnüffelte Aufmerksamkeit. Voller Ungeduld springe ich hin und her, hoch und runter mit der Gewissheit, dass der restliche brotliche Inhalt in meinem gefräßigen Magen verschwindet.

Nach dem Mittagessen (u. auch zu anderen Zeiten) gibt es zu meiner Freude eine für mich viel zu kurze Spielrunde mit meinem heißgeliebten Quietscheball. Spätestens dann, wenn dieser Ball auf einmal spurlos verschwunden ist, kann ich und auch André davon ausgehen, dass es jetzt an der Zeit ist, sich dem Ernst des Lebens, den lästigen Hausaufgaben zu widmen! Aber zum Glück schaffe ich es immer wieder meinem treuen, liebevollen Blick aufzusetzen, so dass André schnell von den Hausaufgaben abgelenkt ist und er seine volle Aufmerksamkeit wieder mir widmet. Doch ehe ich so richtig wieder auf meine wilden Touren komme, ertönt aus dem Hintergrund die ermahnende Stimme meines Frauchen „Die Hausaufgaben erledigen sich nicht von alleine!“ Für „quietschende“ Pausen und so manches Leckerli zwischen den menschlichen Tätigkeiten bleibt zu unserer aller Freude immer noch Zeit.

Die Primäre des Alleinseins für einige Stunden habe ich damit verbracht, dass ich die Leberwurstpelle vom Küchentisch in das Wohnzimmer trug, um sie dort vor der warmen Heizung genüsslich sauber zu lecken. Immerhin kann so jeder von mir reinlich geleckter Behälter (z. B. Jogurtbecher), sofort zur direkten Entsorgung in den gelben Sack geworfen werden.

Joy – Freude bedeutet aber auch eine erste Schreckenszeit! Was ich dem/der Leser/in nicht vorenthalten möchte, ist natürlich mein erstes großes selbständiges Abenteuer hier in dieser kleinen lippischen Kurstadt. So geschah es, das ich bereits nach einer langen anstrengenden Tour am dritten Abend meinen neuen menschlichen Artgenossen zeigte, welche Geschwindigkeiten so eine kleines 3 1/2jähriges Windspiel mit meinen flinken Beinen zu Wege bringt. Aus unvorhergesehenen Gründen schaffte ich es in der Dunkelheit, mich samt meiner Ausziehleine loszureißen und so schnell zu rennen, dass menschliche Beine mir nicht mehr folgen konnten. Irgendwie standen meine Ohren auf Durchzug, denn trotz allem Zurufen zeigte ich zuerst einmal überhaupt kein Interesse meinen Rückwärtsgang einzulegen. Jedenfalls schaffte ich es durch mein Ausreißen, Frauchen, Herrchen und Freunde den ersten großen Schrecken zu verpassen. Ich, der kleine Wirbelwind war auf einmal allein in einem unbekannten Städtchen unterwegs. „Oh, je!“ Aber im Nachhinein erfuhr ich, dass eine mit 3 Autos durchgeführte Suchaktion sofort gestartet wurde. Tief betrübt und mit manch einer Träne in den Augen sandten die Suchenden so manches Gebet zu unserem Vater im Himmel. Nach ca. einer ½ Stunde des Suchens kam mein Frauchen auf die Idee, noch einmal die Strecke abzufahren, die wir vorher gemeinsam zu Fuß gelaufen sind. Und siehe da, nach einigen gefahrenen Metern kam ein glücklicher Ausruf meines Herrchen: „Da sitzt sie einsam und verlassen! Verloren und nicht abgeholt!“ Schnell wurde das Auto gewendet, ein tief erleichtertes Kind nebst Frauchen freute sich riesig, als ich mit einem Satz ins Auto sprang. Schnell wurde die Freude über das meinige Auffinden per Handy allen Suchenden mitgeteilt. Anschließend fand noch eine große quietschende Spielparty mit den Suchenden in meinem ersten Zuhause statt! Es ist alles gut gegangen. „Gott sei Dank!“ Im Gegensatz zu vorher, lebe ich jetzt auf dem Lande. Was mir auffällt, ist dass hier die Luft kälter ist und ich hier vielen meiner Artgenossen begegne. Innerhalb weniger Tage ist mein Bekanntheitsgrad hier in der Straße durch mein ständiges heftiges Anbellen aller großen und kleinen Hunde kräftig angestiegen. Neben meinem Hauptwohnsitz (= 2. Zuhause von André) besitze ich noch zeitweise einen Nebenwohnsitz bei meinem Herrchen André. Immerhin hat dieser neben den Eltern, noch zwei Brüder, die ebenfalls alle versuchen meinen intensiven Spiel- und Beschäftigungstrieb gerecht zu werden.

Inzwischen bin ich 10 Tage in meinen neuen Zuhause(n). Viele Gerüche, viel Neues, viel Freude, große Dankbarkeit wird mich und meine Mitmenschen begleiten. Inzwischen habe ich mich so richtig eingelebt! Kleine „Kunststücke“ und nicht zu vergessen, die Anstandsregeln eines Hundes werden mir mit viel menschlicher Geduld beigebracht. U. a. gebe ich inzwischen ein Pfötchen für ein Leckerli. Doch am Besten finden wir, dass ich inzwischen ohne Hundeleine in der freien Natur auskomme. Hin und wieder erblicken meine Adleraugen einen Vogel im Gebüsch! Dann auf einmal versuchen meine Hinterbeine dann die Vorderbeine zu überholen, damit ich dieses fliegende Etwas fange!? Doch mit einem jeglichen Pfiff aus der Trillerpfeife wird dann leider meine wilde Jagd unterbrochen, denn dieses ist für mich das Signal zu meinen/m Frauchen/Herrchen zurückzukommen. Was ich bis jetzt auch immer öfters mache. ….

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